„Willst Du mein Bruder sein?“

Da es im Bio-Bereich kein Milchpulver gibt und es für die meisten Betriebe unrentabel ist die männlichen Kälber mit Vollmilch aufzuziehen, werden diese in der Regel an konventionelle, teils industrielle Kälbermastbetriebe zu Spottpreisen verkauft und dort hauptsächlich mit Milchpulver gefüttert. Durch diese Flüssignahrung bleibt das Fleisch weiß, allerdings ist das schlecht für die Entwicklung des Verdauungstrakts und die Verdauung.

Ein Problem, das uns allzu gut bekannt ist. Milcherzeugung = Kälber – es geht nicht ohne.

Wir versuchen diesem Problem zumindest in kleinen Schritten Abhilfe zu schaffen. Seit etwa 4 Jahren kooperieren wir dabei mit benachbarten Bio-Betrieben, indem wir deren Bullenkälber im Alter von ca. 14 Tagen abkaufen und mit einer Kuh, die bei uns auf dem Hof frisch gekalbt hat und deren Kalb zusammenstellen. Die Kuh bekommt ein Adoptivkalb und ihr eigenes Kalb dementsprechend einen Adoptivbruder. Da unsere Herde eine gemischte Herde aus Fleckvieh- und Anguskühen ist, gibt es einige Fleckviehkühe die von Natur aus einfach mehr Milch geben. Diese eignen sich hierzu sehr gut. Außerdem ist es wichtig, das Gemüt der Kuh zu kennen. Es gibt auch viele Tiere bei denen wir wissen, dass sie das fremde Kalb nicht annehmen würden. Hier ist es einfach wichtig, seine Tiere genau und gut zu kennen.

Die ersten Tage nach der Zusammenführung sind natürlich entscheidend. Das Kalb muss genügend trinken. Bei vielen Kälbern funktioniert das erstaunlich gut und ohne Unterstützung, andere brauchen mehr Zeit und etwas Hilfe – da kann ein Abend im Stall auch manchmal sehr lange werden.

Die Kälber bleiben dann mit der „Ziehmutter“ in der Herde und werden je nach Nachfrage entweder als Kalb mit ca. 7 Monaten oder erst als Jungbulle mit ca. 2 Jahren geschlachtet.  Es ist tatsächlich so, dass unsere Kunden unser Kalbfleisch schätzen, gerade weil es nicht aus intensiver Mast kommt, die Kälber in der Aufzucht viel Bewegung, Auslauf und Platz haben, gemeinsam toben können und neben der Muttermilch hauptsächlich durch Raufutter ernährt werden. Dadurch hat unser Kalbfleisch nicht die typische „weiße“ Farbe sondern ist eher rosa. Durch das eher extensive Wachstum der Kälber lagert das Fleisch mehr intramuskuläre Fettfasern an, welche das Fleisch saftiger und aromatischer machen.

Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit diesem Projekt. Mittlerweile ziehen wir jährlich ca. 15 – 20 Bruderkälber auf. Dies ist zwar nur ein geringer Teil der Bio Bullenkälber, aber vielleicht können wir so mit gutem Beispiel voran gehen.